Who the fuck is Heiligendamm? -

Oder: Warum uns der G8-Gipfel scheißegal ist.

Liebe Leserin,
reingefallen. Vielleicht. Auf eine spektakuläre Überschrift. Denn scheißegal ist zu dick aufgetragen: ist an besagtem Gipfeltreffen doch etwa abzulesen, wie Herrschaft inszeniert, Kritiker_innen integriert und sogenannte Chaot_innen interniert werden. Eventuell auch, welche Themen in den kommenden Jahren die globale Agenda bestimmen oder welche Widersprüche sich zwischen den Großmächten auftun werden. Im Folgenden soll es aber weniger um die G8 als vielmehr um unsere Gründe gehen, die Mobilisierung nach Heiligendamm explizit abzulehnen.

Die Antiglobalisierungsbewegung ist in Verruf geraten. Antiamerikanismus, gar Antisemitismus wird ihr attestiert. „Verkürzte Kapitalismuskritik“ übe die Multitude. Doch im Rahmen der Heiligendamm-Mobilisierung tritt unter Abgrenzung zu attac und Palästina-Solidarität eine Strömung an, welche die Verkürzung strecken will. Jugendantifa Frankfurt und Linke SchülerInnen Aktion Mainz, redical [m], antifa [f] u.a. haben große Teile der Debatten der letzten Jahre internalisiert und geben sich als betont wertkritische Actionäre. Postwendend stellt sich jedoch die Frage: wenn, wie behauptet, Kapital = total, wieso dann G8-Protest? – eine Frage, die bisher von Obenstehenden nicht annähernd beantwortet wurde. Abgesehen von logischen Paradoxien – gerade wegen der Totalität wähle man sich die G8 aus (mit exakt derselben Begründung könnte man Anschläge auf jeden x-beliebigen Laden für Rasierbedarf und jedwede Gemeinderatssitzung verüben) – wurde bisher nur das frei Haus gelieferte Medieninteresse genannt. Darum ist weiter zu fragen: Seit wann sind die Massenmedien Bündnispartner_innen der radikalen Linken? Ist nicht die Dramaturgie solcher Events schon im Vorhinein festgelegt – einerseits die scheinbaren Damen/Herren der Welt, andererseits die je nach Medium jugendlich-überschwänglichen (TAZ) oder skrupellos-brutalen (FAZ) Protestierenden und, zwischen beiden Polen vermittelnd, die konstruktiv-pragmatische Zivilgesellschaft? Bedient man mit der angepeilten Randale nicht schlicht die vorgestanzten Erwartungen der Kulturindustrie, die nun mal aufgrund der ihr inhärenten Skandalmechanismen Bilder von steinewerfenden Vermummten ausgedehnten Hintergrundberichten aus dem antinationalen Alltag inkl. ellenlanger Marx-Zitationen vorzieht?

Schließlich, wenn das Kapital total ist, ein Verhältnis, das sich durch sämtliche Lebensbereiche aller Menschen zieht, und nicht nur die Menschen durchzieht, sondern sie erst (mit-)hervorbringt, wieso sollte man sich dann dafür entscheiden, seinen Protest gegen diesen tatsächlich unglaublichen Mißstand nur auf einen winzigen Punkt zu konzentrieren, auf einen unbedeutenden Ort an einem Tag von Tausenden voller Gewalt und Erniedrigung? Monatelang Energie investieren, Tagungen, Vernetzungstreffen, WarmUp-Demos organisieren, dann die langerwartete Reise nach Heiligendamm antreten – nicht zu vergessen: durch etliche Landstriche mit NS-Hegemonie – , nur um wenige Tage später und um einige Lagerfeuergeschichten reicher wieder an seinen Wohnort zurückzukehren, wo sich nichts geändert hat – nichts, aber auch gar nichts, wo man exakt das selbe graue Leben zu bewältigen hat wie zuvor. Verpflichtet weiter dort zu vegetieren, wo keine Befreiungstheologin, keine Linksrucksprecherin, kein Herbert Grönemeyer und kein BlackBloc Solidarität übt, wenn man wieder schlechten Sex hatte, keine oder zuwenig zärtliche Zuwendung erfährt, frühmorgens wegen Schul- bzw. Arbeitsterror von klingelnden Wecker terrorisiert wird oder die Eltern schon wieder mit Sozialpädagogik bzw. Ausgehverbot nerven. Solange der herrschaftlich vorstrukturierte Alltag sich wie eine gusseiserne Form um die Subjekte legt und die Wenigen, die sich ihres communistischen Begehrens bewußt sind, erbarmungslos einschnürt, solange es an 364 Tagen im Jahr ein unerträglich ruhiges Hinterland mit Namen Bundesrepublik/Europa gibt, solange ist es nicht nur Unsinn, sondern im höchsten Maße konterrevolutionär, sich eine Bewegung einzubilden, die derzeit nicht nur den „G8-Gipfel wegpusten“ (NoG8-Gruppe Kiel), sondern sogar den „Kapitalismus blockieren“ (Kollektiv 22. Oktober) könnte.

Nicht aus Ohnmacht heraus sich dumm zu machen und eine solche Allmacht wie die eben genannte zu phantasieren, sondern das Eingeständnis dieser Ohnmacht zu leisten wäre Aufgabe der radikalen Linken. Der Erkenntnis der Niederlagen, die sich durch die gesamte Menschheitsgeschichte ziehen und in unserer Zeit des ‚Fortschritts’ fortschreiten hin zu global angelegtem, ausnahmslosem und grenzenlosem Massenmord – Auschwitz – müsste sich stellen, wer auf der „Höhe der Zeit“ (floskel floskel …) agieren möchte. Nur wenn das Protokoll dessen, was fehl schlug, und dessen, was verloren ging, aufgenommen wird, kann sich eine Bewegung entwickeln, welche nicht zur Wiederholung der immergleichen alten Scheiße verdammt ist, welche nicht vom gleißenden Licht der 360Grad-Showbühne des Kapitalismus sich blenden lässt.

Wer in Heiligendamm die players fightet, spielt aber – ob gewollt oder nicht – das game schon mit. Darum ist jede Beteiligung an den G8-Protesten, ob von verkürzter oder verlängerter Kritik begleitet, von vorneherein integratives Element des Spektakels. Die paar tausend deutschen Autonomen nehmen sich denn auch bereitwillig und voller Eifer der ihnen zugedachten Statistenrolle im Schauspiel „Die Herren der Welt gegen ihre Feinde“ an: Statt eines spontanen, selbstorganisierten Aufstandes aus Wut über die eigene, andauernd erlebte Zurichtung wird schon Monate zuvor von den linken Szeneheimer_innen ein „Protest-Fahrplan“, auch „Choreografie“ genannt, festgelegt: an die Stelle möglicher eigener, unvorhersehbarer Erfahrungen wird so paramilitärische und politikorientierte Durchrationalisierung gesetzt. Schon formal wird somit die individuelle Emanzipation ans Messer geliefert, und auch inhaltlich werden die Aktionstage nicht mehr erreichen als die in Deutschland populäre Gleichung ‚Kapitalismus = die Reichen, die da oben, die Internationalisten’ erneut zu bestätigen. Spätestens dann wird sich diese Wahrheit erweisen, wenn nicht nur der dem Gipfel folgende Arbeitstag in altbekanntem ungestörtem Trott abläuft, sondern sogar die anschließenden Visiten der Bundeskanzlerin, also der hiesigen Repräsentanz des `Volkswillens`, der Verkörperung nationaler Herrschaft, in Hintertupfingen oder Frankfurt vonstatten gehen können, ohne dass sich auch nur eine Dreadlock- oder Kapuzi-Trägerin dagegen in Protest setzt.

Eine communistische Bewegung unterscheidet sich von der Heiligendammer Revolutionssimulation: sie kann nur aus der Austragung und Zuspitzung real existierender Widersprüche heraus entstehen. In diesem Sinne waren die Autobahnblockaden und WM-Demos der Studierenden ein Anknüpfungspunkt für eine radikale Linke, da hier gesellschaftlich Handelnde – wenn auch bewusstlos bzw. von sozialreformerischer bis alternativnationalistischer Ideologie geleitet – über den ihnen zugestanden Spielraum hinausgingen und offensiv sich gegen die ihren Bedürfnissen entgegenstehenden Verwertungsinteressen wandten. Gerade in Deutschland, wo das Wort Generalstreik den Klang eines Fremdwortes aufweist – und Fremdwörter sind nach Adorno die Juden der Sprache – sind solche Erscheinungen begrenzter Massenmilitanz, die nicht an die Formierung eines Lynchmobs gemahnen, absolute Ausnahme. Statt mittels auf wenige Straßenblöcke beschränkter riots eine kurzfristige Revolte nachzustellen wäre an solchen Punkten von abstrakter, nicht personalisierter Empörung anzusetzen, denn nur wer nicht unmittelbar Menschen angreift, kann Einsicht in die Herrschaft der Dinge über die Menschen gewinnen. Nur von dort aus kann ein Communismus ins Rollen kommen, der – gerade weil sein Blick nicht pseudo-rebellisch und voll heimlicher Faszination an `denen da oben` klebt – kein autoritärer Ruf nach Staat oder Volk oder Macht ist, der sich stattdessen die gänzliche Umwälzung aller Facetten des derzeitigen Lebens zur Aufgabe macht. Eine Umwälzung, die im eigenen Alltag ansetzt, die in jede Lebensphase ein unbändiges Glücksversprechen einsickern lässt, dessen Realisierung nur jenseits von Geschlechterbinarität, Zwangsfamilie, Schulpflicht, Lohnarbeit, Lokalpatriotismus und nationaler Identifizierung liegen kann.

Für Glück ohne Angst und Macht –
für eine Welt jenseits des Gesetzes.

_____________________________________gruppe 8. mai [ffm]
_____________________________________mail: gruppe8mai[AT]gmx.net
_____________________________________http://achtermai.blogsport.de

[Obenstehender Text wurde als Flugblatt auf dem derzeit laufenden Kongress der Antifajugend Frankfurt verteilt, der sich schwerpunktmäßig mit der (Un-)Möglichkeit einer linksradikalen Mobilisierung gegen die G8 befassen soll]


37 Antworten auf “Who the fuck is Heiligendamm? -”


  1. 1 Juli 05. Januar 2007 um 10:00 Uhr

    also was ich ja schon finde ist…

    (1) … das in dem Aufruf nirgends steht „Kapital = total“. Da steht, der Kapitalismus sei „dominantes Strukturprinzip“ und der Kapitalismus habe „im Grunde weder Namen noch Adresse“. Was ja beides erstmal richtig ist. Da steht aber nirgends, das er nicht widersprüchlich wäre, das sich an den Widersprüchen nicht auch das Denken brechen könnte, das er die Totalität, die im innewohnt, tatsächlich erreichen könnte bzw. schon erreicht hätte.

    (2) … dass das logische Paradoxon keins ist, wie ich ja gegen Ende versucht habe zu Begründen. Der Vorwurf lautet, „gerade wegen der Totalität wähle man sich die G8 aus“. Nun steht in dem Aufruf, das Problem sei, das eben beim Kapitalismus Adresse und Postanschrift fehlen würden. Weshalb der richtige Ort für Interventionen „nie unmittelbar“ gegeben sei, sondern eben nur mittelbar. Und diese Mittelbarkeit, so das Argument, stelle sich her über das Maß, „in dem aus der Erfahrung gesellschaftlicher Widersprüche die Einsicht in die Notwendigkeit erwächst“ den ganzen Scheiß zu verschrotten. Das scheint mir doch zumindest nicht paradox zu machen. Und finden würde ich das auch glaube.

    (3) … das ich jetzt auch nicht wüsste, wo in dem Aufruf ein Bezug auf Medien oder Medieninteresse hergestellt würde. Vielleicht ist ja auch die Suche-Funktion an meinem Browser kaputt, aber ich hab nix gefunden.

    (4) … das, selbst wenn von Medieninteresse die Rede gewesen wäre, dies ja durchaus für eine gewisse gesellschaftliche Aufmerksamkeit und Sensibilität für ein Thema spricht. Nicht im positiven Sinne, das alle dagegenwären, sondern lediglich im Allgemeinen, das sie etwas zur Kenntnis nehmen. Und das is ja in der bürgerlichen Gesellschaft schon mal ein Anfang.

    (5) … das mensch in gewisser Weise sicherlich „mit der angepeilten Randale ( … ) schlicht die vorgestanzten Erwartungen der Kulturindustrie“ erfüllt. Was aber weniger gegen ein Engagement vor Ort als vielmehr für eine Reflexion der Aktionsformen spricht.

    (6) … dass das Argument, es würde doch keinen Sinn machen sich auf einen Punkt zu stürzen, wenn das Kapital doch so unglaublich allumfassend sei, einigermaßen ignorant ist. Denn das Argument, mit dem sich in der Kritik nicht auseinandergesetzt wird, ist doch gerade, dass es den konkreten Ansatzpunkt braucht, um das abstrakte als Abstraktes kritisieren zu können. (Im Gegensatz zu ideologisierten Formen des Pseudo-Antikapitalismus, die das konkrete stellvertretend für das abstrakte zu kritisieren versuchen). Oder, mit Adorno gesprochen: Wenn es ein Skandal sein soll, dass das Allgemeine über das Besondere herscht, dann muss ich dies Verhältnis auch darstellen. Die Hälfte zu ignorieren, bringt nicht weiter. Wo kann ich besser zeigen, dass der G8 nicht das eigentlich Problem ist als auf dem G8?

    (7) … es kein Widerspruch sein muss, einerseits im Alltag widerständig zu sein, etwa wenn „wenn man wieder schlechten Sex hatte, keine oder zuwenig zärtliche Zuwendung erfährt, frühmorgens wegen Schul- bzw. Arbeitsterror von klingelnden Wecker terrorisiert wird oder die Eltern schon wieder mit Sozialpädagogik bzw. Ausgehverbot nerven.“ und andererseits zum G8 zu fahren.

    (8) … das die Behauptung der Totalität, aus der es kein Entrinnen gibt, wohl eher von der Gruppe 8. Mai kommt, die es deshalb „im höchsten Maße konterrevolutionär“ findet, überhaupt was gegen den Kapitalismus zu machen. Fragt sich, warum sie überhaupt Weblogs betreibt…

    (9) … dass es ja durchaus stimmt, das es nun angebracht wäre, sich nicht Allmacht zu phantasieren, sondern nüchtern zu analysieren, warum der Scheiß noch immer da ist. Aber auch hier: am Besten doch an dem Ort der näxten Niederlage, da, wo die Leute dafür sensibilisiert sind, das Widerstand mit Niederlagen verbunden ist.

    (10) … das der pseudo-radikale Nixtu-Gestus schon ein bissel anstrengend ist: „Wer in Heiligendamm die players fightet, spielt aber – ob gewollt oder nicht – das game schon mit“ schreibt die Gruppe 8. Was sich ergänzen ließe um Sätze wie: „Wer auf sozialen Widerstand verzichtet, weil sich ja ohnehin nichts verändern lässt, spielt das Spiel bereits mit“. So ist das Spiel eben. Widersprüchlich. Der Kapitalismus schafft mit der Form von Protest und sozialer Bewegung eine Form, Widerstand zu integrieren. Aber gleichzeitig schafft er auch eine Form, die über ihn hinausweist. Und das ist dann die vielbeschworene „Dialektik der Aufklärung“. Die Frage ist eben nur, wie sich dieser Widerstand artikuliert.

    (11) … das die schlichte Feststellung, das zu befürchten ist, das die meisten Demonstrierenden nicht über „die in Deutschland populäre Gleichung ‚Kapitalismus = die Reichen‘“ hinauskommen werden, doch eher ein Grund zum hinfahren ist denn zum daheimbleiben. Schließlich gibt es noch einiges zu tun.

    (12) … das hinter dem Text die Vorstellung eines revolutionären Aktes steht, der den Kapitalismus mit einem Streich erledigt. So etwa wenn sie den „dem Gipfel folgende Arbeitstag in altbekanntem ungestörtem Trott“ stattfinden sehen und daraus das Fehlschlagen der Proteste folgern. Mal gut, möchte mensch meinen. Würde sozialer Umschwung tatsächlich von einem Tag auf den anderen durchgesetzt, wären wohl alle Beteiligten überfordert. Inclusive meines Magens, für den es dann wohl erstmal düster aussähe.

    (13) … das der Text am Ende die Radikalisierung des Gedankens, sich ein konkretes zur Kritik des Abstrakten zu suchen, betreibt. Das ist interessant und sicherlich diskutabel, aber passt nicht dazu, der G8-Protestgemeinde genau das vorzuwerfen. Studierendenproteste etwa sollen der richtige Ansatzpunkt sein. Und zwar weil es da um einen konkreten Konflikt gehe, eine konkret mögliche Verbesserungssituation, während der G8-Gipfel ja tatsächlich keine unmittelbaren Folgen bzw. angreifbaren Ergebnisse hat (mittelbare allerdings eine ganze Reihe…).

    (14) … das die Gruppe 8. Mai die Auszeichnung zum „Besten wertkritischen Neo-Operaismus im Januar 2007″ kriegen sollte…

  2. 2 denken 07. Januar 2007 um 11:16 Uhr

    …und kein BlackBloc Solidarität übt, wenn man wieder schlechten Sex hatte, keine oder zuwenig zärtliche Zuwendung erfährt…

    ihr seid ja so lustig! sexualisierte gewalt als schlechten sex darstellen.
    wie schön das ihr deutlich gemacht habt auf welcher seite der barrikade ihr steht!

  3. 3 Administrator 07. Januar 2007 um 18:39 Uhr

    @ all:
    Sorry, Comments und Trackbacks hingen bis gerade eben im Spam-Filter fest.

    @ denken:
    Wie bereits in deinem Blog geschrieben (leider noch in Mod-schlange):
    Es handelt sich hierbei keineswegs um einen geschmacklosen Witz oder eine sonstige Anspielung auf eine Bahamas-Redewendung. Nicht sexualisierte Gewalt soll verharmlost, sondern der gängige Sex soll in seiner Qualität kritisiert werden: als phallisch, als orgasmus- und genitalfixiert, als zu wenig zärtlich und schlussendlich: als zu langweilig obwohl meist zeitlich knapp bemessen. Wir denken, das, das Missverständnis ist damit aufgeklärt, ja!?

    @ emanzipation …:
    Dein comment wurde ja bereits in deinem Blog ansatzweise diskutiert, darum verzichten wir hier auf eine erneute Antwort.

  4. 4 gh8te 07. Januar 2007 um 21:57 Uhr

    Weil ich gerade nochmal den TOP [f]-Aufruf lese:

    „(1) … das in dem Aufruf nirgends steht “Kapital = total”. Da steht, der Kapitalismus sei “dominantes Strukturprinzip” und der Kapitalismus habe “im Grunde weder Namen noch Adresse”. Was ja beides erstmal richtig ist. Da steht aber nirgends, das er nicht widersprüchlich wäre, das sich an den Widersprüchen nicht auch das Denken brechen könnte, das er die Totalität, die im innewohnt, tatsächlich erreichen könnte bzw. schon erreicht hätte.“

    Doch, da steht explizit das T-Wort, nämlich im nun folgenden aus dem Zusammenhang gerissenen Zitat:

    „Eine solche politische Praxis zielt nicht auf die „One Family“ der Betrogenen und Enttäuschten, sondern auf die Möglichkeit, den Skandal Kapitalismus in seiner Totalität in den Fokus der Kritik zu rücken“

  5. 5 redneck 08. Januar 2007 um 11:32 Uhr

    @Admin: Du hast doch noch nie gefickt, alter.

  6. 6 AdminVirgin 08. Januar 2007 um 12:51 Uhr

    Stimmt.
    Und jetzt?

  7. 7 Juli 08. Januar 2007 um 13:54 Uhr

    @ gh8te

    ja, ich hatte das auf den „umsganze“-text bezogen, weil ich dachte, der texte wäre eine konkrete auseinandersetzung damit. den aufruf zum jugendantifakongress kannte ich gar nich… :-)

  8. 8 gh8te 08. Januar 2007 um 15:18 Uhr

    @ Juli:
    Das Zitat in meinem Posting war aber dem „umsganze“-Papier entnommen. Ist ja auch egal, ich wollte einfach nur Recht haben ;)

  9. 9 fitzcarraldo 08. Januar 2007 um 17:57 Uhr

    wo ist denn das blog von denken? hab ihn nicht mehr wiedergefunden und ich vermute fast das mein beitrag auch noch in der moderationsschlange dümpelt.

  10. 10 gh8te 09. Januar 2007 um 0:14 Uhr

    http://hierundjetzt.blogsport.de/2007/01/07/jetzt-ist-auch-wieder-gut/

    Da dümpelt wohl so einiges.
    Gelinde gesagt: ungeschickt. Anders ausgedrückt: unverschämt, erst ein solches denunziatorisches Posting aufzufahren und dann die Kritik zu unterbinden. Vielleicht haben wir es auch nur mit (zeit-)technischen Problemen zu tun?

  11. 11 gh8te 09. Januar 2007 um 10:49 Uhr

    Nu isset freijeschaltet. Leider kommentarlos.

  12. 12 definitionsrecht 09. Januar 2007 um 10:55 Uhr

    „schlechter sex“, den begriff habe ich schonmal in einem anderen zusammenhang lesen müssen. schön daß „schlechter sex“ in deinen zusammenhängen öfters vorkommt. ich könnte kotzen. zum glück wohne ich nicht in frankfurt.

  13. 13 definitionsrecht 09. Januar 2007 um 10:58 Uhr

    ich glaub ihr (gruppe 8. mai) steckt ganz schön in der scheisse, so wie außerhalb der blogsphäre über euren aufruf geredet wird. ich hoffe es war nur ein „missverständnis“. sicher ist nur, die antifakids die euren text gelesen haben, müssen sich jetzt sich nicht mehr beim lesen alter bahamas ausgaben wundern.

  14. 14 gh8te 09. Januar 2007 um 12:44 Uhr

    Oh bitte, „defitionsrecht“ (übrigens: wir würden von DefinitionsMACHT sprechen, wie von der Gruppe Mamba vorgeschlagen, siehe http://www.gender-killer.de/wissen neu/texte sex und szene mamba.htm), also: oh bitte, lies erst nochmal die entsprechende Stelle in unserem Text. Dort steht:

    „Verpflichtet weiter dort zu vegetieren, wo keine Befreiungstheologin, keine Linksrucksprecherin, kein Herbert Grönemeyer und kein BlackBloc Solidarität übt, wenn man wieder schlechten Sex hatte, keine oder zuwenig zärtliche Zuwendung erfährt, frühmorgens wegen Schul- bzw. Arbeitsterror von klingelnden Wecker terrorisiert wird oder die Eltern schon wieder mit Sozialpädagogik bzw. Ausgehverbot nerven.“

    In dieser Passage findet sich kein Zynismus, stattdessen (der Versuch von) Empathie mit dem mutmaßlich grauseligen Alltagsleben der hier vorwiegend als jugendlich angsprochenen Leserschaft. Genauso wenig wie wir uns über den „klingelnden Wecker“ lustig machem, ist auch „schlechter Sex“ keine ätzende Anspielung auf eine Bahamas-Parole, sondern eine zufällige Wortgleichheit und meint hier tatsächlich schlechten Sex, also nicht Vergewaltigung oder Missbrauch, sondern den gängigen MainstreamHeteroPimmelVaginaReinRaus20Minuten-Sex. Näher ausgeführt wurde das schon im obigen Kommentar, den ich hier nochmal einstelle:

    „Es handelt sich hierbei keineswegs um einen geschmacklosen Witz oder eine sonstige Anspielung auf eine Bahamas-Redewendung. Nicht sexualisierte Gewalt soll verharmlost, sondern der gängige Sex soll in seiner Qualität kritisiert werden: als phallisch, als orgasmus- und genitalfixiert, als zu wenig zärtlich und schlussendlich: als zu langweilig obwohl meist zeitlich knapp bemessen. Wir denken, das, das Missverständnis ist damit aufgeklärt, ja!?“

    Also:
    Reflexe aus, Reflektion an. Bzw.: den Sabber von der Pawlowschen Hundeschnauze wischen, es liest sich besser mit trockenem Display.

  15. 15 antifakidds 09. Januar 2007 um 16:41 Uhr

    also wir „antifakiddies“ finden den text eigentlich ganz gut. ist zumindest nicht so nervig wie dein gespamme.

  16. 16 hierundjetzt 10. Januar 2007 um 21:34 Uhr

    @g8member
    sorry, wenn ich da etwas überreagiert habe! die formulierung die ihr da gewählt habt ist einfach (meiner meinung nach) stark durch die „bahamas“-disku besetzt. in diesem sinne meine reaktion. ich hab eure antwort auf eurem blog gelesen und bin positiv davon überrascht das ihr euch positiv auf definitionsmacht bezieht. sehr schön! vielleicht doch die gleiche seite der barri?! :-)

  17. 17 Administrator 11. Januar 2007 um 18:21 Uhr

    Statt „positiv überrascht“ zu sein über eine Basisbanalität solltest du dich mal fragen wieso dich eine Wortkombination dazu bringt, solche wahrheitsfernen Mutmaßungen anzustellen.

  18. 18 tja 12. Januar 2007 um 1:43 Uhr

    langweilig, ist jetzt alles gesagt zu dem text, oder kann man nach gegenseitigem „es tut mir leid mißverständnis eigentlich bist du ganz nett“ wieder zu wesentlichen zurückkehren?
    ich frage mich nämlich ganz ehrlich, warum der G8 kein richtiger Ort für vernünftige Kapitalismuskritik sein soll, obwohl sich dort alles versammelt, was man kritisiert, nämlich alle leute mit falscher kapitalismus-analyse. das man an einem pogrom eines lynchmobs teilnimmt wenn man hinfährt halte ich nämlich für noch weniger realistisch als mit autobahnblockaden gegen die verhältnisse des früh-geweckt-werdens etwas auszurichten.
    es geht darum am richtigen ort zur richtigen zeit das richtige zu sagen, und nicht den kopf in den arsch zu stecken, wenn idioten irgendeinen mist verzapfen. letztendlich sind es nicht die players beim G8-Gipfel die das game organisieren, aber es gibt einen kleinen aber feinen unterschied zwischen dem rasierladen-besitzer und leuten, die die dreckigen verhältnisse auch noch als richtigen und einzigen weg verkaufen wollen

  19. 19 Administrator 13. Januar 2007 um 19:59 Uhr

    „ich frage mich nämlich ganz ehrlich, warum der G8 kein richtiger Ort für vernünftige Kapitalismuskritik sein soll, obwohl sich dort alles versammelt, was man kritisiert, nämlich alle leute mit falscher kapitalismus-analyse.“

    Es spricht nichts dagegen beim G8 zu intervenieren, die Scheidelinie verläuft eher zwischen Affirmation und alternativem Mitmachen oder Konfrontation und Gegensteuern.

    „das man an einem pogrom eines lynchmobs teilnimmt wenn man hinfährt halte ich nämlich für noch weniger realistisch als mit autobahnblockaden gegen die verhältnisse des früh-geweckt-werdens etwas auszurichten.“

    Es gibt einen Unterschied zwischen Rostock-Lichtenhagen einerseits, Montagsdemo oder G8-Protest andererseits. Trotzdem: in Genua etwa wurden nicht nur von Bullen Leute umgebracht oder schwerst verletzt, sondern durchaus vom BlackBloc sog. Unbeteiligte in Lebensgefahr gebracht. Ich erinnere mich an eine Situation, in der das Erdgeschoss eines Hauses (Bankfiliale) angezündet wurde, während im 2. Stock ein alter Mann hilflos auf dem Balkon stand.

    „es geht darum am richtigen ort zur richtigen zeit das richtige zu sagen, und nicht den kopf in den arsch zu stecken, wenn idioten irgendeinen mist verzapfen. letztendlich sind es nicht die players beim G8-Gipfel die das game organisieren, aber es gibt einen kleinen aber feinen unterschied zwischen dem rasierladen-besitzer und leuten, die die dreckigen verhältnisse auch noch als richtigen und einzigen weg verkaufen wollen“

    Und was tut der Rasierladen-Besitzer? Schau dir doch mal den Mittelstand an, zwischen Proletariat und Großkapital stehend war die ihm entsprechende Ideologie doch immer die reaktionärste, am meisten bornierteste, am meisten terroristische.

  20. 20 gh8te 26. Januar 2007 um 19:00 Uhr

    Da im Blog des letzten Pingbacks nur mit Anmeldung gepostet werden kann der in Unkenntnis dieser Regelung verfasste Kurzkommentar hier:

    „Klar, was nicht passt, wird passend gemacht, und wer nicht exakt nach deinem schlichten Verständnis von AD gestrickt ist, wird eben mittels Unterstellung in diese schmale Schublade gepresst, das Überstehende wird abgeschnitten. Und „alle anderen“ werden natürlich „ordentlich was rocken“ – viel Spaß mit Grönemeyer, attac, Linkspartei, NPD und Gegeninformationsbüro.

    P.S.
    Es geht nicht um lokale Kämpfe, sondern um die Unterstützung solcher Kämpfe, die wenigstens ansatzweise der Totalität des Kapitals gerecht werden.“

  21. 21 teddy baader 12. Februar 2007 um 20:27 Uhr

    mit eurem adornitischen nachbeten vom angeblich totalen verblendungszusammenhang, indem einem nix andres übrig bleibe als sich in ohnmächtiger pose schönberg und die neuesten produkte der kunstavantgarde reinzuziehen wird die welt auch nicht besser.man muss auf die straße um gegen die bedingungen für ein genau solches denken anzugehen.muss ich ja nicht sagen:der g8 gipfel trägt zur reproduktion von unmenschlichen verhältnissen bei,wieso also groß darüber sinnieren,ob man jetzt für oder gegen die proteste sein soll? sicher werden dort einige antiamerikanische demagogen und andere pseudorevolutionäre mit brettern im kopf rumlaufen.aber kritisches denken muss sich schliesslich auch praktisch äussern.

  22. 22 Administrator 14. Februar 2007 um 1:58 Uhr

    Treffer oder Eigentor? – das Ganze nochmal in Zeitlupe:

    „mit eurem adornitischen nachbeten vom angeblich totalen verblendungszusammenhang, indem einem nix andres übrig bleibe als sich in ohnmächtiger pose schönberg und die neuesten produkte der kunstavantgarde reinzuziehen wird die welt auch nicht besser.“

    Who the fuck is Schönberg? Die entsprechende Passage in unserem Flugblatt muss ich wohl übersehen haben.
    Der Vorwurf geht auch sonst postwenden zurück: Gerade die G8-Fixierten sind es, die sich der Einsicht in ihre Irrelevanz verweigern, sich als global player halluzinieren, das Übel nur im Außen wittern und darum qua Wiederholungszwang zur Verewigung der gegenwärtigen Ohnmacht verdammt sind.

    „man muss auf die straße um gegen die bedingungen für ein genau solches denken anzugehen.“

    Das Schönbergsche Denken?
    Ich möchte mir gerne aussuchen, wann und mit wem ich über die Straße gehe, daneben aber auch gegen solche Bedingungen nicht nur in dem von der Demokratie großzügig zugestandenen Raum der Öffentlichkeit (=Straße) angehen.

    „muss ich ja nicht sagen:der g8 gipfel trägt zur reproduktion von unmenschlichen verhältnissen bei,wieso also groß darüber sinnieren,ob man jetzt für oder gegen die proteste sein soll?“

    Ja, wieso bloß nachdenken, wenn man durch solche Hirnanstrengung abgelenkt werden könnte anstatt schön brav auf der Straße die Demo-Route abzulaufen?
    Kleiner Tipp: Auch dein Vater, die Bürgermeisterin deines Kaffs, das Unternehmen in dem du arbeitest tragen zur „reproduktion von unmenschlichen verhältnissen bei“, wo bleibt da die Groß-Demo?

    „sicher werden dort einige antiamerikanische demagogen und andere pseudorevolutionäre mit brettern im kopf rumlaufen.aber kritisches denken muss sich schliesslich auch praktisch äussern.“

    Einige? Eher die absolute Mehrheit. Wer besucht schon freiwillig ein Grönemeyer-Konzert?
    Ansonsten: bla bla. Uns, nur weil wir uns gegen EINE bestimmte Aktionsform aussprechen, die generelle Verweigerung von Praxis vorzuwerfen, ist billig und entlarvt die Ressentiments hinter deinem kritischen Aktivismus.

  23. 23 sHaO 01. April 2007 um 17:21 Uhr

    Nicht-Verhalten gibts es nicht. Jeder ist sein eigener „chairman“

  24. 24 Milano 05. Mai 2007 um 15:56 Uhr

    Wieso immer dieses Schwarz-Weiß Denken?
    Man kann sowohl zum G8 Gipfel fahren UND im Alltag seine Klappe aufmachen und sich bei zahlreichen weiteren Aktionen gegen den Kapitalismus beteiligen. Nur weil es paar Teilnehmer gibt, die ausschließlich beim G8 Gipfel den Arsch hochkriegen und dann bis zum nächsten Gipfel nichts mehr machen soll man nicht mit ihnen in Heiligendamm marschieren?
    Das gleiche dürfte ja dann auch für den 1. Mai gelten.

    Ich halte es für wichtig in Heiligendamm zu sein, aber auch bei Demos gegen Rechts, Abschiebeknäste und Castor.

    Allgemein zum Statemant: Generell finde ich es sehr schade, dass sich viele Linke Gruppen in ihren Ansichten gegenseitig überbieten müssen. Alle nutzen das Medium ‚Internet‘ (was vor Jahren noch kategorisch abgelehnt wurde) um dort zu zeigen was für tolle und ‚andere‘ Ansichten man hat. Mit so einer provokanten Parole wie ‚nicht nach Heiligendamm zu fahren‘ wird doch nur wieder versucht die eigene Gruppe in die Öffentlichkeit zu bringen und um mit der Gruppe in der linken Welt einen neuen Glanzpunkt zu setzen. So nach dem Motto ‚Wow, hast du von der Gruppe 8. Mai gehört? Die Wollen nicht zum G8 Gifpel weil blabla…‘
    Lasst endlich alle euer Profilierungsgehabe und kommt lieber zur Sache!

  25. 25 markus 06. Juni 2007 um 22:01 Uhr

    hallo, warum schreibt ihr kommunismus mit C ? lehnt ihr die klassiker des marxismus-leninismus ab? oder wie?

  26. 26 Administrator 06. Juni 2007 um 23:45 Uhr

    „lehnt ihr die klassiker des leninismus ab?“

    Ja.

  27. 27 markus 14. Juni 2007 um 22:30 Uhr

    oh man. dann wird das nie was mit der besseren sozialistischen welt. bestimmt wollt ihr dann auch sofort den übergang vom kapitalismus zum kommunismus

  28. 28 Administrator 15. Juni 2007 um 0:39 Uhr

    bestimmt wollt ihr dann auch sofort den übergang vom kapitalismus zum kommmunismus. sonst wird das nie was mit der besseren welt. oh ja.

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